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Am 16./17. Februar versammelten sich
Tausende ArbeiterInnen, Arbeitslose und VertreterInnen der Volksversammlungen
und von lokalen Gewerkschaftsgruppen auf der Plaza de Mayo in der argentinischen
Hauptstadt Buenos Aires im Rahmen der ersten Nationalen Arbeiterversammlung
(für Beschäftigte und Erwerbslose).
Diese Versammlung stellt so etwas wie
den bisherigen Höhepunkt bei der Schaffung alternativer Machtstrukturen der
argentinischen Arbeiterklasse dar. Daran ist erkennbar, dass sich die Bewegung
seit den “revolutionären Tagen” Ende Dezember organisatorisch und in Bezug
auf ihre politischen Forderungen, deutlich weiterentwickelt hat.
Die Volksversammlungen, die einmal pro
Woche in den einzelnen Stadtvierteln abgehalten werden, haben sich mittlerweile
im gesamten Stadtgebiet und der Peripherie von Buenos Aires wie auch auf andere
Teile des Landes (etwa in Rosario, wo 24 Volksversammlungen vertreten sind)
ausgeweitet. Über die sogenannten “interbarrial” werden diese
Volksversammlungen miteinander vernetzt. Jeden Sonntag nehmen 3000-4000 Menschen
an diesen Versammlungen teil, wobei die lokalen Volksversammlungen Delegierte
wählen und entsenden.
Bei diesen Treffen werden sowohl das
Programm der Volksversammlungen wie auch die weiteren Aktionen diskutiert und
abgestimmt. JedeR TeilnehmerIn hat ein Rederecht von 3 Minuten, bei den “interbarrial”
dürfen aber nur gewählte Delegierte aus den lokalen Volksversammlungen bzw.
RepräsentantInnen von ArbeiterInnen, die sich in einem Arbeitskampf befinden,
sprechen. Am Ende der Versammlung werden alle Vorschläge abgestimmt.
Waren die Volksversammlungen anfangs
noch sehr stark auf den Kampf gegen den "corralito" (die Einfrierung
der Bankkonten durch die Regierung) gerichtet, so haben sie mittlerweile ein
äußerst fortgeschrittenes Programm entwickelt, einschließlich der Streichung
der Auslandsschulden, der Verstaatlichung der Banken, Reverstaatlichung aller
privatisierten Dienstleistungsunternehmen, Wahl der Richter des Obersten
Gerichtshofes durch das Volk, Überführung der Pensionsfonds (AFJP) in
staatliche Hand.
Die Volksversammlungen und die
Arbeiterbewegung
Außerdem haben die Volksversammlungen
den Beschluss gefasst, sich mit den ArbeiterInnen und der sehr militanten
Bewegung der Arbeitslosen, den piqueteros, zu vernetzen. Diese piqueteros haben
sich in den letzten Jahren immer wieder in Szene gesetzt und durch
Straßenblockaden mit brennenden Autoreifen für Jobs und
Arbeitslosenunterstützung gekämpft.
Diese Versuche einer Vernetzung der
verschiedenen Teile der Bewegung wurde nun auch in einen Slogan gefasst:
"Piquete y cacerola, la lucha es una sola" (was soviel bedeutet wie
“Straßenblockaden und Kochtöpfe - der selbe Kampf”; wobei die Kochtöpfe
sich auf die von den Volksversammlungen organisierten “cacerolazos”
beziehen). Die Volksversammlungen beziehen auch Belegschaften in ihrem
Stadtviertel ein, die sich im Arbeitskampf befinden.
Die Arbeiterbewegung ist bisher noch
nicht als unabhängige Kraft in der Bewegung aufgetreten. Das bedeutet nicht,
dass die Arbeiterschaft völlig passiv ist. Ganz im Gegenteil: In den letzten 3
Jahren gab es acht sehr kämpferische Generalstreiks, die das ganze Land zum
Stillstand brachten. Die ArbeiterInnen beteiligen sich auch durchaus an den
Volksversammlungen. Der wichtigste Grund warum es in den letzten Wochen zu
keinen Massenstreiks gekommen ist, liegt wohl an der Angst vor Arbeitslosigkeit,
die offiziell bereits bei 20% liegt. Außerdem darf man nicht vergessen, dass
die Bürokratie in der größten Gewerkschaft, der CGT, unter dem politischen
Einfluss des Peronismus steht und gegenwärtig nicht bereit ist, gegen die
eigene Regierung unter Duhalde vorzugehen.
Deshalb ist auch die Initiative einer
Nationalen Arbeiterversammlung so wichtig. Es gab zwar bereits im letzten
September einen Beschluss der piqueteros, eine derartige Versammlung
einzuberufen, was aber von den beiden Organisationen mit dem größten Einfluss
in der Arbeitslosenbewegung (der CCC und der FTV) nicht umgesetzt worden war.
Die FührerInnen der beiden Organisationen sind nämlich nun von der Regierung
zu Verhandlungen über die Frage der Arbeitslosenunterstützung eingeladen
worden, was im Grunde nur ein Versuch ist, die Bewegung ruhig zu halten.
Die kämpferischeren Teile der
piqueteros haben nun von der Basis aus diese Nationale Arbeiterversammlung
einberufen. Viele von ihnen sind Mitglieder in einer der vielen linken Parteien
(KP, PO, MST oder PTS). Dies führte zu einer Spaltung in der CCC, da einer
ihrer wichtigsten Anführer, Raul Castells, zur Teilnahme an dieser Versammlung
aufgerufen hatte und daraufhin ausgeschlossen wurde. Er wurde jetzt außerdem
unter Hausarrest gestellt.
In Buenos Aires beschlossen die
Volksversammlungen nach dem wöchentlichen Freitags-“cacerolazo” (der
Kochtopfdemo) in der Plaza de Mayo zu übernachten, um am nächsten Tag die
Delegierten der Nationalen Arbeiterversammlung zu begrüßen. Tausende waren am
Morgen bereits auf dem Platz, als die Delegationen der piqueteros aus dem ganzen
Land, den Provinzen Santa Fé, Neuquén, Chaco, Tucumán, Río Negro, Córdoba,
La Rioja, Salta, Jujuy,... ankamen. Gemeinsam wurden Slogans skandiert und
gesungen. Insgesamt waren 2000 ArbeiterInnen und Arbeitslose anwesend, wobei
jeder Delegierte zumindest 20 Menschen vertrat.
Zwei der wichtigsten Delegationen waren
wohl jene der Arbeiterkomitees von der Textilfabrik Brukman in Buenos Aires und
der Keramikfabrik Zanon aus Neuquen. Auf ihrem Banner stand: “Zanon und
Brukman: unter Arbeiterkontrolle”. Zum Schutz der Versammlung gab es einen
eigenen, von ArbeiterInnen organisierten Ordnerdienst mit Schlagstöcken und
Metallrohren.
Eine der Hauptdebatten drehte sich um
die Frage, wie die Krise des Landes gelöst werden könnte. Eine Resolution der
Gewerkschaft der KeramikarbeiterInnen und -angestellten von Neuquen (SOECN, die
die Zanon-Fabrik besetzen) und der Bewegung der Arbeitslosen von Neuquen (MTD)
versuchte eine Antwort zu geben: “Die effektive Einheit zwischen den
beschäftigten und den erwerbslosen ArbeiterInnen ist die erste Voraussetzung,
damit die Arbeiterschaft imstande ist, die notwendige Allianz mit den ruinierten
Mittelschichten anzuführen. Dies ist der einzige Weg, um eine an den Interessen
der ArbeiterInnen und des Volkes orientierte Lösung auf die nationale Krise
durchzusetzen....Nur die Arbeiterklasse - Beschäftigte und Erwerbslose,
Beschäftigte im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft - kann diese
Krise lösen. Die Arbeiterklasse produziert den gesamten Reichtum dieses Landes.
Sie garantiert das Funktionieren des Transportwesens, der Versorgung mit Gas,
Öl und Strom und des Finanz- und Bankwesens. Gemeinsam mit der
Kampfbereitschaft der Arbeitslosen (die wir als Teil der Arbeiterklasse ansehen)
mit ihren Blockaden der wichtigsten Straßen und Autobahnen im Land, und
natürlich den BeamtInnen und Gemeindebediensteten, die bereits kämpfen und zu
einem Teil der Bewegung geworden sind, ergibt das die grundlegende
gesellschaftliche Kraft, die einen progressiven Ausweg aus der kapitalistischen
Krise weisen kann.” Völlig korrekt riefen die ArbeiterInnen von Zanon dazu
auf, sich an die Basis der Gewerkschaften zu wenden, um den Einfluss der
Gewerkschaftsbürokratie über die organisierten ArbeiterInnen zu brechen.
Arbeitermacht
Die Versammlung verabschiedete
schlussendlich eine Resolution, in der die Regierung Duhalde als Feind der
Arbeiterklasse bezeichnet wird. Demzufolge könne die Krise nur gelöst werden,
wenn Duhalde und die Klasse von Dieben, die ihn ins Amt gehievt haben, gestürzt
werden. Die Versammlung sprach sich gegen jede Form sozialpartnerschaftlicher
Verhandlungen (concertacion) aus, wie etwa den Versuch, die FührerInnen der
piqueteros zu kooptieren.
Im Punkt 4 der Resolution steht
weiters: ”Wir müssen die größten Probleme aus der Sicht der Massen selbst
in die Hand nehmen: Arbeit, Gesundheit, Bildung, Wohnen, was bedeutet, dass wir
diese Organisationen (die Volksversammlungen, die piqueteros und
Arbeiterversammlungen) im ganzen Land als eine Alternative, die nur den
arbeitenden Menschen gehört, ausdehnen.”
Diese Resolution weist dezidiert auf
die potentielle Macht der Arbeiterklasse hin, die jederzeit die gesamte
Gesellschaft paralysieren könnte. Den Anfang könnten die Eisenbahner machen,
die nun mit Tausenden Entlassungen bedroht werden. Sie haben Streiks zur
Lahmlegung des Eisenbahnverkehrs angekündigt. Einer der Slogans bei der
Eröffnungskundgebung war daher nicht zufällig: “Luchar, vencer, obreros al
poder" (kämpfen, gewinnen, Arbeiter an die Macht).
Weiters appelliert die Resolution an
die Führer der CCC und der FTV, die der Gewerkschaft CTA nahe steht, jegliche
Verhandlungen mit der Regierung, die hinter dem Rücken der Bewegung geführt
werden, abzubrechen und sich der Bewegung anzuschließen. Die Versammlung wies
alle Versuche zurück, Illusionen in Regierungen aufzubauen, “die im Grunde
die Interessen der Ausbeuter vertreten, egal ob heimische oder ausländische.”
Das beschlossene Programm lautet wie
folgt:
Freiheit für Raúl Castells,
Emilio Alí, Peralta und alle verhafteten GenossInnen. Alle Anklagen
gegen AktivistInnen der Bewgeung müssen zurückgezogen werden.
Die Verantwortlichen für die
Morde vom 19./20. Dezember sowie die Mörder an den GenossInnen in Salta
(Justiniano, Gómez, Verón, Barrios and Santillán) und Corrientes
müssen vor Gericht gestellt und verurteilt werden.
Streichung der Aulandsschulden.
Nationalisierung der Banken und
der wichtigsten Betriebe.
Verstaatlichugn der AFJP
(Pensionsfonds).
Entlassungen und
Suspendierungen müssen gesetzlich verboten werden.
Verstaatlichung aller Betriebe,
die zugesperrt werden bzw. ArbeiterInnen entlassen, unter
Arbeiterkontrolle und Wiedereröffnung aller zugesperrten Betriebe unter
den gleichen Bedingungen.
Sofortige Rückgabe aller
Bankeinlagen an die kleinen Sparer.
Kampf für wirkliche und
dauerhafte Jobs durch eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung bei vollem
Lohnausgleich.
Mindestlohn und
Arbeitslosenunterstützung, die an die Lebenshaltungskosten geknüpft
werden.
Nieder mit der Regierung
Duhalde und dem IWF. Für eine Arbeiterregierung.
Dieses Programm ist im wesentlichen das
Programm einer sozialistischen Revolution und wurde von den Delegierten
gemeinsam mit einem Plan zur Organisierung des weiteren Kampfes beschlossen.
Dieser Aktionsplan beinhaltet eine Verstärkung der Straßenblockaden, eine
landesweite Mobilisierung für den 20. Februar, also 2 Monate nach dem Beginn
des Volksaufstandes, einen nationalen Aktionstag gegen die privatisierten
Erdölunternehmen, die in den letzten Jahren gewaltige Profite gemacht haben. Es
wird die Forderung erhoben, diese Profite zur Schaffung von Jobs einzusetzen.
Die Unternehmen sollten verstaatlicht werden. Am 2. März soll ein Sternmarsch
auf die Hauptstadt organisiert werden, bei dem die Forderung nach Freilassung
aller politischen Gefangenen im Mittelpunkt stehen soll. Am 2. April soll die
nächste Nationale Arbeiterversammlung stattfinden.
Im Anschluss daran wurden diese
Beschlüsse dem 6. “interbarrial” von Buenos Aires vorgelegt. Das “interbarrial”
wird diesen Aktionsplan unterstützen und verabschiedete ebenfalls eine Reihe
von programmatischen Forderungen. Darunter findet man den Aufruf zu einer
Nationalen Volksversammlung mit VertreterInnen der lokalen Volksversammlungen
und der “interbarrial” für den 16./17. März. Die Regierung Duhaldes wurde
zum Rücktritt aufgefordert. Ihre Alternative lautet: Für eine Regierung der
Volksversammlungen, der “interbarrial”, der ArbeiterInnen und der
piqueteros:
Die herrschende Klasse
Entscheidend ist aber aus unserer
Sicht, dass diese Resolution von wichtigen Teilen der organisierten
Arbeiterschaft mitgetragen wird. Je mehr sich die Wirtschaftskrise zuspitzt
desto größere Teile der Arbeiterklasse werden gezwungen sein, aktiv für ihre
Interessen zu kämpfen. Im Kampf zur Verteidigung der Arbeitsplätze wird diesen
ArbeiterInnen schon sehr bald einmal bewusst werden, dass dieser Kampf nur
erfolgreich sein kann, wenn das kapitalistische System ersetzt wird durch ein
System von Verstaatlichungen unter Arbeiterkontrolle.
Der Führer der KeramikarbeiterInnen
von Neuquen betonte, dass nun die Hauptaufgabe der Bewegung darin besteht, die
organisierten ArbeiterInnen für den Kampf zu gewinnen: ”Eine Blockade vor der
Repsol-YPF Raffinerie ist ein guter Vorschlag, aber es wäre noch viel besser,
wenn wir die ErdölarbeiterInnen dazu bringen könnten, sich uns anzuschließen,
wenn die ElektrizitätsarbeiterInnen [die ebenfalls anwesend waren] den Strom
abdrehen würden. Eine Demo vor einer Bank ist gut, aber es wäre noch viel
besser, wenn die Bankangestellten in Streik treten würden.”
In der Autoindustrie haben die
ArbeiterInnen ebenfalls schon angekündigt, gegen Entlassungen kämpfen zu
wollen. Beamte in den Provinzregierungen des ganzen Landes haben bereits für
die Auszahlung ihrer Gehälter gestreikt. Nur durch Regierungsintervention
konnte ein Streik in der Erdölindustrie verhindert werden. Zuvor hatten die
privatisierten Erdölkonzerne Tausende Entlassungen als Antwort auf die neue
Steuer auf Benzin angekündigt. Der Druck der Basis war so stark, dass selbst
die völlig bürokratisierte Gewerkschaftsspitze in diesem Bereich zum Streik
aufrief. Daraufhin griff die Regierung mit einem Schiedsgericht ein und hat
jegliche Entlassungen und Kampfmaßnahmen einstweilen verboten. Hier sehen wir
auch sehr schön die Widersprüche, in denen sich die herrschende Klasse in
Argentinien bewegt. Einerseits können sie das kapitalistische System nur
aufrechterhalten, indem sie brutale Attacken auf die Lebensbedingungen der
Arbeiterklasse und der Mittelschichten reiten. Andererseits provozieren sie
dadurch eine Ausdehnung der revolutionären Bewegung.
In der Zwischenzeit spitzt sich die
Wirtschaftskrise weiter zu. Der Peso verliert gegenüber dem Dollar an Wert. Die
Industrieproduktion kollabierte im Jänner um 18%, nachdem es im Dezember
bereits einen Rekordeinbruch gegeben hat. Besonders stark betroffen sind die
Textil-, die Auto- und die Metallindustrie mit einem Produktionsrückgang von 55
- 65%. Und das obwohl der Theorie zufolge die Abwertung des Peso die Exporte
ankurbeln hätte sollen.
Die argentinische Bourgeoisie hat die
Gefahren erkannt. In der bürgerlichen Tageszeitung La Nacion wurden kürzlich
zwei hysterische Editorials abgedruckt, in denen die Volksversammlungen frontal
angegriffen wurden. Dabei wird das Entstehen der Volksversammlungen ganz richtig
als Reaktion auf das fehlende Vertrauen in die existierenden öffentlichen
Institutionen und die politische Klasse gesehen. Obwohl man dafür noch ein
wenig Verständnis aufbringen kann, wird im nächsten Atemzug davor gewarnt,
dass “solche Mechanismen der Volksbefreiung eine Gefahr darstellen, da sie
sich aufgrund ihrer ganz besonderen Natur in so etwas wie dieses sinistre
Machtmodell der ‚Sowjets’ entwickeln können.”
Und der Artikel fährt fort: "Die
Erfahrung zeigt, dass in solchen Versammlungen manchmal Agenten extremer
Ideologien die Kontrolle übernehmen, die den legitimen Ärger der Mehrheit für
ihre eigenen Zwecke missbrauchen. ... Es ist nichts schlechtes, wenn die
Menschen ihre Meinung zum Ausdruck bringen. ... Aber es ist wichtig zu zeigen,
dass es eine Sache ist, wenn sie sich bei durchaus auch lautstarken Protesten
beteiligen, aber eine andere, wenn sie selbst Regierungsentscheidungen treffen,
welche das öffentliche Interesse und das gemeinsame Wohl berühren."
Was sie uns damit sagen wollen, ist,
dass die Menschen natürlich das Recht haben, zu sagen, was sie wollen…
solange sie damit nicht die herrschende Ordnung, die Herrschaft des Kapitals
bedrohen!! Wie in jeder Revolution malen die bürgerlichen Medien das Bild von
“extremistischen Agitatoren” an die Wand, die das Volk aufwiegeln. In
Wahrheit ist die revolutionäre Bewegung aber nichts anderes als eine Antwort
auf den völligen Bankrott des kapitalistischen Systems.
Wenige Tage später beschuldigt La
Nacion die Volksversammlungen, einen “Staatsstreich” zu organisieren. Den
Volksversammlungen wird das Recht abgesprochen, das Mandat der Parlamentarier in
Frage zu stellen, den Rücktritt der Mitglieder des Obersten Gerichtshofes zu
fordern und dem Staatspräsidenten die Legitimität abzusprechen.
Einmal mehr zeigt sich, was die
Bürgerlichen unter Demokratie verstehen. Partizipation ist geduldet, solange
sie sich darauf beschränkt, alle paar Jahre zur Wahlurne zu gehen. Das Problem
ist nur, dass die argentinische Bevölkerung in den letzten 20 Jahren jeder zur
Verfügung stehenden politischen Option schon das Vertrauen geschenkt haben,
keine davon aber die grundlegenden Probleme des Landes und seiner Menschen zu
lösen imstande war. Jetzt ist das Fass zum Überlaufen gebracht worden. Die
Menschen beginnen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und organisieren
sich in eigenen demokratischen Strukturen.
La Nacion fordert die Regierung auf,
keine Zugeständnisse an die Volksversammlungen zu machen, weil die Bewegung
dadurch nur noch mehr ermutigt würde. Die Regierung hat auch bereits angedroht,
dass sie gewaltige Proteste von Kleinanlegern in Zukunft nicht mehr dulden wird.
Bereits in der Vergangenheit schritten Polizeikräfte in mehreren Fällen
gewaltsam gegen die piqueteros ein. Der Staatsapparat ist mittlerweile besser
vorbereitet auf Massenproteste, als dies im Dezember der Fall war. Deshalb wird
es auch notwendig sein, der Bewegung einen organisierteren Charakter zu geben.
Die Nationale Arbeiterversammlung brachte in diesem Sinn einen wichtigen Schritt
vorwärts. Die nächsten Schritte können nur in der Ausdehnung der
Volksversammlung und der Organisierung der Arbeiterschaft in Arbeiterkomitees
liegen, die in der Folge imstande sind, einen Generalstreik zu organisieren. |