Alan Woods, marxistischer Buchautor und Redner auf der kommenden Rosa-Luxemburg-Konferenz am 11. Januar 2003, ist vor wenigen Tagen von einer Lateinamerikareise zurückgekehrt. Aus aktuellem Anlass wendet er sich mit dem nachfolgenden Aufruf „Hände weg von Venezuela“ an die Arbeiterbewegung und an fortschrittliche Jugendorganisationen in aller Welt. Er fordert zur Unterzeichnung dieses Appells, zur Solidarität mit der Revolution in Venezuela und zu Protestaktionen bei US-amerikanischen Botschaften in aller Welt auf.
Ein Aufruf an die internationale Arbeiterbewegung und die Jugend
Die Lage in Venezuela steuert auf einen kritischen Punkt zu. Die reaktionären Kräfte, hinter denen das konservative Großkapital und die Botschaft der USA stehen, mobilisieren mit außerparlamentarischen Mitteln voll für den Sturz der demokratisch gewählten Regierung des Präsidenten Hugo Chavez.
Internationale Massenmedien haben die Lüge vom „Generalstreik“ in Umlauf gesetzt, der angeblich von der Arbeiterschaft in Venezuela gegen eine unpopuläre Regierung getragen sei. Dies entspricht aber nicht der Wirklichkeit. Es handelt sich hier vielmehr um organisierte Sabotage mit dem Ziel, das Land zu destabilisieren und den Weg für einen rechten Staatsstreich zu ebnen.
Mit der Unterstützung einiger rechter Gewerkschaftsführer haben die Unternehmer eine Art Aussperrung organisiert. Dies geschieht bereits zum vierten Male in diesem Jahr und war stets ein Versuch, das Land zu destabilisieren. Alles erinnert stark an den 1973 von der CIA organisierten „LKW-Fahrer-Streik“ - damals mit dem Ziel, die legal an die Macht gekommene Regierung von Salvador Allende zu stürzen. Diese Machenschaften führten zur blutigen Pinochet-Diktatur. Jetzt wollen diese Herrschaften die chilenische Erfahrung auch auf Venezuela übertragen.
Der letzte ernsthafte Versuch dieser Art fand im April 2002 statt, als reaktionäre Geschäftsleute mit rechten Offizieren einen Putsch starteten und den Präsidenten festnahmen. Sie sprachen zwar von „Demokratie“, aber sie zeigten sofort ihr wahres Gesicht, als sie versuchten, die Verfassung außer Kraft zu setzen und eine Diktatur der reichen Oberschicht zu installieren.
In diesen Putschversuch waren offensichtlich auch die USA verstrickt. Diese große „Demokratie“ lehnte es - wie immer - rundweg ab, sich von den Putschisten zu distanzieren. Die CIA spielte - und spielt - in dieser Verschwörung eine aktive Rolle, ebenso wie auch in anderen Staatsstreichs in Lateinamerika der letzten Jahrzehnte: Chile, Argentinien, Uruguay etc.
Der Putschversuch im April 2002 wurde durch die spontane Massenbewegung von Millionen Arbeitern, Arbeitslosen, Bauern, Soldaten und Armen gestoppt. In den letzten Tagen kam es auf den Straßen Venezuelas wieder zur Konfrontation zwischen den Massen und den konterrevolutionären Kräften.
Im April 2002 hat die Bevölkerung Venezuelas die Kraft aufgebracht und die Konterrevolution noch einmal besiegt. Doch die Konterrevolution in Venezuela hat die Rückendeckung durch die Supermacht USA und deren Verbündete in Lateinamerika, die auch nicht davor zurückschrecken, sich in die Innenpolitik Venezuelas einzumischen und die Kräfte der Konterrevolution zu fördern und zu finanzieren.
Der durch den Wahlsieg von Hugo Chavez in der Präsidentschaftswahl angestoßene revolutionäre Prozess hat die Arbeiter, Bauern und armen Bevölkerungsschichten Venezuelas wachgerüttelt und in ihnen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geweckt. Die Regierung hat seither eine Reihe fortschrittlicher Reformen umgesetzt und die Lebensverhältnisse der Massen verbessert.
Die Menschen verstehen jetzt, dass Venezuela ein äußerst reiches Land ist, das über riesige Ölreserven verfügt und gleichzeitig von ausländischen Imperialisten und einer verschwindend kleinen Oligarchie im Lande ausgeplündert wird. Die arme Bevölkerung möchte die Revolution weiter führen und die skandalöse Ausbeutung ein und für allemal beenden. Nur darin liegt das „Verbrechen“ der Bevölkerung Venezuelas, und dafür wollen die Imperialisten sie jetzt zur Kasse bitten.
Sollte die Revolution in Venezuela besiegt werden, so wäre dies ein herber Rückschlag für die Sache von Millionen und Abermillionen armer Menschen in ganz Lateinamerika, die ebenfalls für ihre Rechte kämpfen.
Die internationale Arbeiterbewegung muss der Revolution in Venezuela zur Seite stehen
Das Ziel des jüngsten konterrevolutionären „Streiks“ ist es, die Wirtschaft abzuwürgen und die lebenswichtige Ölindustrie zu lähmen sowie die Versorgungslage zu verschlechtern. Schon jetzt ist es zu Lebensmittel- und Benzinknappheit gekommen. Dies soll Chaos ins Land bringen, die Armee spalten und einen Militärputsch nach chilenischem Vorbild einleiten.
Den USA reicht es offensichtlich nicht, die Kontrolle über irakisches Erdöl zu erlangen. Jetzt strecken sie auch die Hand nach dem venezolanischen Erdöl aus. Washington und seine korrupten Verbündeten in der Region verstärken den Druck und fordern einen „Regimewechsel“ in Venezuela.
Dieses schamlose und unverschämte Schikanieren muss aufhören. Die internationale Arbeiterbewegung muss einen klaren Standpunkt gegen den Imperialismus einnehmen!
In der Stunde der Not dürfen wir die Bevölkerung Venezuelas nicht alleine lassen. Die Arbeiterklasse in aller Welt muss ihre Stimme erheben! Wir fordern alle Untergliederungen und Funktionäre der Arbeiterbewegung auf:
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Sendet Solidaritätsbotschaften nach Venezuela und protestiert bei den Botschaften der Vereinigten Staaten von Amerika gegen die anhaltende Einmischung der USA in die Innenpolitik Venezuelas.§
Fordert von der britischen Regierung dass sie sich von der US-amerikanischen Aggression gegen Venezuela distanziert!
Die Jugend darf jetzt nicht schweigen. Jede Jugend-, Schüler- und Studierendenorganisation muss jetzt ihre Stimme erheben und die Aggression gegen die venezolanische Revolution verurteilen.
Jetzt unverzüglich handeln! Hände weg von Venezuela!
Übersetzung: Hans-Gerd Öfinger
Kontakt: www.marxist.com
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