Die herrschende Klasse der USA hat viel von ihren Vorfahren als Herren der Welt - den Römern - gelernt. Nach dem zweiten punischen Krieg, welcher die Vernichtung Hannibals und die Vorherrschaft der Römer im Mittelmeerraum brachte, lebte Rom trotz dieses historischen Sieges weiterhin in der Angst vor einem wiedererstarkenden Karthago. Der Kopf der Kriegspartei im römischen Senat war Cato, welcher jede seiner Reden - egal wessen Inhalt - mit der selben Phrase beendete: „Delenda est Carthago“ - Karthago muss zerstört werden.
Dieser Rat wurde schließlich auch umgesetzt. Nachdem die Stadt Karthago 3 Jahre lang belagert worden war, und in Zuge dessen ein Großteil der Zivilbevölkerung dem Hungertod zum Opfer fiel (ein frühes Beispiel von „effektivem Embargo“), wurde sie bis auf die Grundmauern zerstört und die restliche Bevölkerung in die Sklaverei verkauft. Um den Job zu beenden wurde außerdem der Boden der Stadt mit Salz bestreut. Dadurch wurde der restlichen Welt klargemacht, welches Schicksal sie zu erwarten hat, wenn sie sich dem überlegenen römischen Imperium entgegenstellen sollte.
Natürlich hat sich die Welt seitdem verändert. Zum Beispiel ist die Sklaverei aus der Mode gekommen, auch wenn wir nicht vergessen sollten, dass jetzt alle Menschen durch die Mechanismen des Weltmarktes wirtschaftlich versklavt sind. Dies nennt man „Globalisierung“. In dieser Welt wird die Beherrschung der schwachen Länder durch die Starken mit indirekten Methoden erreicht: dem Handel und durch Auslandsverschuldung. Dies ist viel ökonomischer als die Kriege und Versklavungen der Römer! Aber es gibt immer wieder Situationen in der Weltgeschichte, wo die alten Methoden der Römer, wie eben Eroberungskriege sehr wohl einen Sinn ergeben, so zum Beispiel im Fall des Iraks.
Die US-Amerikaner wollen den Irak okkupieren. In dieser Frage gibt es nicht den geringsten Zweifel. Es gibt sogar bereits detaillierte Pläne, wie ein zukünftiger Gouverneur als Marionette der USA die zerstörte Infrastruktur wiederherstellen könnte - beginnend natürlich bei den Ölfeldern. Der US-Imperialismus zeigt kein Interesse daran die irakische Erde mit Salz zu bestreuen und sie so für immer unfruchtbar zu machen. Ganz im Gegenteil: Unter seiner Verwaltung soll die Wüste erblühen und das Öl fließen, um so den Ruhm und die Schatzkammer der USA zu vergrößern und die Profite der US-amerikanischen Ölkonzerne zu sichern.
Die Farce der „Inspektionen“
Während die Waffeninspektoren im Irak weiterhin nach versteckten Massenvernichtungswaffen suchen, gibt es bereits in gewissen Kreisen Spekulationen, dass womöglich nicht genug Gründe für einen Beginn des Krieges zusammengetragen werden könnten. Rumsfeld offerierte Saddam Hussein ganz großzügig die Möglichkeit eines Exils in einem bisher nicht genauer spezifizierten Land, um so einem möglichen Gerichtsverfahren gegen ihn zu entgehen. Solche diplomatischen Spielchen sollten aber niemanden darüber hinwegtäuschen, dass der militärische Show-down am Golf mittlerweile den „Point of no return“ überschritten hat.
Saddam Hussein weiß, dass die Versprechungen aus Washington nicht allzu viel wert sind, sondern dass es sich dabei nur um winzige Mosaiksteinchen in der Strategie der USA handelt. Diese dienen dazu, die echten Intentionen der USA zu verschleiern und die Welt in einem falschen Gefühl der Sicherheit zu wiegen, bevor der Angriff beginnt. Aus diesem Grund trat Saddam am 17.Jänner im irakischen Fernsehen auf und prophezeite jedem, der eine Invasion des Iraks versuche, vor den Toren Bagdads zu scheitern.
Diese furchteinflößende Ansprache hielt er am 12. Jahrestag des Golfkrieges (1991), bei dem der Irak schnell bezwungen wurde und 200.000 Menschen ihr Leben lassen mussten. Die USA setzen ganz klar auf eine Wiederholung dieses Szenarios, doch niemand ist sich diesmal so sicher, ob dies gelingen wird. Die Nervosität der internationalen Finanzmärkte ist ein klarer Beweis dafür.
Schuldig bis das Gegenteil bewiesen ist
Sich ihrer eigenen Schwäche gegenüber der momentan einzigen Supermacht bewusst, haben die Irakis große Anstrengungen übernommen, um den UNO-Waffeninspektoren ihre Hilfsbereitschaft bei der Suche nach Massenvernichtungswaffen anzubieten. Aber ohne Ergebnis! Nach mehr als 200 Inspektionen, berichtete der oberste UN-Kontrolleur Hans Blix Ende Dezember, dass man bis jetzt nichts gefunden hätte. Jetzt gelte es jenen Beweis zu finden, der den Irak in den Augen der Welt als Bedrohung erscheinen lasse. Am 31. Dezember stellte Kofi Annan fest, dass es keinen stichhaltigen Beweis gäbe, der eine Intervention im Irak rechtfertigen würde.
Die Reaktion der US-Amerikaner war folgendermaßen: Wenn es Fakt sei, dass von den Inspektoren nichts gefunden worden sei, dann sei dies der eindeutige Beweis, dass der Irak irgendetwas verstecken würde! Diese Logik erinnert ein bisschen an die der Hexenjagden, die allerdings schon einige Zeit zurückliegen. In diesen Prozessen wurden arme Frauen als Hexen verdächtigt und zu Tode gequält. Wenn sie sich nicht für schuldig erklärten, wurde dies als Zeichen dafür gewertet, dass der Teufel sie stärkte. Wenn sie ohnmächtig wurden, war der Teufel für ihren Schlaf verantwortlich. Dies wurde solange betrieben bis sie schließlich entweder gestand oder starb.
Als 11 leere 122mm-Sprengköpfe gefunden wurden, gab dies den Anlass um die Hysterie um den Irak wieder lauter werden zu lassen. Diese Sprengköpfe, so der Sprecher der Inspektoren, wären nicht im 12.000-seitigen Bericht über das Waffenprogramm des Iraks zu finden gewesen. Der Irak erklärte, dass dieser Fund in keinem Zusammenhang mit irgendeinem verbotenen Waffenprogramm stünde und die Sprengköpfe schlicht und einfach vergessen wurden.
Es ist durchaus möglich, dass der Irak hier die Wahrheit sagt, vor allem auch in Bezug auf die erst kürzlich gefundenen Notizen eines irakischen Wissenschaftlers. Der Wissenschaftler erklärte, dass diese Notizen nicht als Beweis für ein geheimes atomares Waffenprogramm gelten könnten, sondern lediglich zum Unterricht seiner StudentInnen gedient hätten. Aber dies alles wird Saddam nicht retten. Die Amerikaner wollen ähnlich der Herzkönigin in „Alice im Wunderland“ zuerst den Schuldigen finden und dann die Gerichtsverhandlung abhalten.
Die Inspektoren werden erstmals am 27. Jänner beim UN-Sicherheitsrat einen Bericht über den Irak präsentieren. Noch vor dessen Fertigstellung besuchten Blix (der Chef der UN-Inspektoren) und Mohamed El Baradei (der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde) Bagdad, um Saddam zu warnen, dass die momentane Situation „sehr gespannt und gefährlich“ sei. Um einen Krieg noch zu verhindern, sagte Blix, wäre es notwendig, dass der Irak klare Beweise dafür vorlege, dass er seine atomaren, chemischen und biologischen Aufrüstungsprogramme beendet hätte.
Im Normalfall ist es die Pflicht des Klägers zu beweisen, dass der Angeklagte schuldig ist. Doch in diesem Fall ist es genau umgekehrt: der Angeklagte muss zuerst seine Unschuld beweisen um der Bestrafung zu entgehen! Aber dessen nicht genug, muss er zudem auch noch dem Kläger dabei helfen, zu beweisen, dass er sowieso schuldig ist! Der Irak ist in anderen Worten solange schuldig, bis seine Unschuld bewiesen ist.
Krieg wofür?
Der US-Imperialismus verhält sich zur Zeit wie ein wildgewordener Elefant, der jedes Hindernis in dem Glauben aus dem Weg räumen will, dass dies durch reine körperliche Kraft gelingen kann. Unglücklicherweise gelingt dies nicht immer! Es ist schon interessant, dass Bush im Bezug auf Nordkorea den diplomatischen Kurs bevorzugt. Hier bietet die USA sogar Nahrungsmittelhilfen und Öllieferungen, wenn Nordkorea im Gegenzug das Atomwaffenprogramm zurückzieht. Das nordkoreanische Regime macht kein Geheimnis daraus, dass es Atomwaffen besitzt, daher sind UN-Inspektoren hier auch nicht notwendig. Dennoch droht Bush in diesem Fall nicht damit in Nordkorea einzufallen! Der Grund ist offensichtlich: Nordkorea verfügt über eine große und gutgerüstete Armee und atomare Waffen. Bei einem möglichen Krieg könnte so großer Schaden entstehen. Es ist immer leichter sich einen Gegner auszusuchen, der klar schwächer ist als man selbst.
Es liegt auf der Hand, dass die herrschende Klasse in Washington schon lange vor dem 11. September sich darüber klar wurde, den Irak zu besetzen und Saddam Hussein zu stürzen. Gibt es Gründe für diese Besessenheit? Sogar einige: politische, strategische, ökonomische, aber auch persönliche. George W. Bush, der die letzten Wahlen nur durch Wahlbetrug gewinnen konnte, wünscht sich - koste es was es wolle - eine zweite Legislaturperiode im Weißen Haus. Ein glorreicher Sieg in einem Krieg soll ihm den Sieg bei den nächsten Wahlen in nicht einmal einem Jahr sichern. Einen ähnlichen Effekt hatte einst der Sieg im Falkland-Krieg für Margaret Thatcher. Dass in diesem Krieg auch viele Menschen sterben werden, ist in dieser Rechnung nur zweitrangig.
Die persönlichen Belange von George Bush wären natürlich noch nicht Grund genug, die USA in einen blutigen und zweifellos unsicheren Konflikt zu ziehen. Hierfür gibt es noch weitere, vor allem strategische und ökonomische Gründe. Seit dem Zerfall der Sowjetunion sind die USA die einzige Supermacht auf diesem Planeten. 37 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben und 40 Prozent der Waffenproduktion werden von der USA gestellt. Kein einziges anderes Land kommt nur annähernd an diese Zahlen heran. Daher sieht sich der US-Imperialismus als der „Weltgendarm“. Alle alten Vereinbarungen, die einst als internationales Recht gegolten hatten, wurden von ihnen über Bord geworfen. Regime, die sich nicht an ihre Spielregeln halten, werden nicht akzeptiert. Dies zeigte sich im Kosovo-Krieg und ebenso im drohenden Irakkrieg.
Trotz des unerbittlich geführten Krieges vor 12 Jahren und dem Wirtschaftsembargo, mit seinen verheerenden Folgen für die irakische Zivilbevölkerung, bleibt der Irak nach wie vor ein Machtfaktor in diesem Teil der Welt, der noch dazu nicht unter der Kontrolle Washingtons steht. Die USA wollen daher dieses Land auf alle Fälle zerstören und so den Menschen im Nahen Osten und der ganzen Welt eine Lektion erteilen. Die Nachricht soll folgendermaßen lauten: „Seht her, was passiert, wenn man sich gegen uns stellt!“
Natürlich ist es zu stark vereinfacht, den kommenden Krieg als „Krieg um Öl“ zu bezeichnen, denn es spielen sehr wohl auch andere Faktoren eine Rolle. Es kann aber nicht den geringsten Zweifel daran geben, dass Öl eine große und wichtige Rolle in diesem Konflikt spielt. Die US-Wirtschaft ist massiv vom Erdölmarkt abhängig, und im Nahen Osten liegen die größten bekannten Erdölvorkommen. George Bush selbst stammt von einer texanischen Familie ab, deren Reichtum auf dem Ölgeschäft basiert. Ebenso hat sein Vize Dick Cheney die engsten Verbindungen zu Ölkonzernen, welche eine zentrale Gruppe in der US-Oligarchie darstellen und einen entscheidenden Einfluss in der US-Politik haben. Gemeinsam mit dem militärisch-industriellen Komplex beeinflussen sie die ganz wesentlich die Außenpolitik der USA.
Saudi-Arabien
Bis vor kurzem waren sich die USA dessen sicher, dass ihre benötigten Erdölimporte von einem „Freund“ im Nahen Osten garantiert würden: Saudi-Arabien. Das parasitäre, degenerierte Herrscherhaus in Saudi-Arabien hält mit eiserner Faust die Ordnung im eigenen Haus aufrecht. Saudi-Arabien ist eine fundamentalistische Diktatur, welche Oppositionelle foltern lässt, Frauen diskriminiert und in der Dieben noch immer die Hände abgehackt werden. Dies alles ist Qualifikation genug, um Mitglied bei den „befreundeten Demokratien der USA“ zu sein.
Im Namen von Allah sind die Mitglieder des Herrscherhauses korrupt, trinken Whisky, fahren teure Autos und vergnügen sich in Bordellen. Sie haben sich erfolgreich an der Macht halten können, indem sie auf der einen Seite extrem repressiv gegen jede Opposition vorgehen und auf der anderen Seite durch den Ölreichtum kleinere Zugeständnisse an die Bevölkerung machen konnten. Doch diese Politik stößt nun immer deutlicher an seine Grenzen.
Durch das Sinken der Ölpreise ist auch der Lebensstandard der Bevölkerung drastisch gesunken und beträgt im Vergleich zu vor 20 Jahren heute nur mehr 20 Prozent! Die Arbeitslosigkeit steigt immer mehr, vor allem unter Jugendlichen. Dadurch häuft sich der Unmut in der Bevölkerung immer mehr, und dies lässt sich nur durch Repression allein nicht mehr lösen.
Es war ein riesiger Schock für die amerikanische Öffentlichkeit, dass ein Großteil der Flugzeugentführer vom 11. September weder aus Afghanistan noch aus dem Irak sondern aus Saudi-Arabien stammte! So überraschend war dies allerdings nicht. Die völlig degenerierte herrschende Klasse Saudi-Arabiens hat Bündnisse mit moslemischen Geistlichen und den Wahabiten (einer fundamentalistischen Sekte) geschlossen, um so vor der Bevölkerung geschützt zu sein. Die Bedingungen dafür waren, dass sie ihren „heiligen Krieg“ nur außerhalb der Grenzen Saudi-Arabiens führen.
Reaktionäre, fundamentalistische Verbrecher wie Osama Bin Laden, der starke Verbindungen zum Herrscherhaus hatte, wurden vom saudischen Regime und vom CIA aktiv mit Waffen und Geld unterstützt, um gegen die Rote Armee in Afghanistan zu kämpfen. Der Grundstein für die gesamte Infrastruktur der Al Quaida wurde in dieser Zeit gelegt. Solange sich diese mit dem Töten von russischen Soldaten beschäftigte, stellte sie für Washington kein Problem dar. Aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wandte sich die Al Quaida gegen die USA selbst.
Der CIA hatte so großes Vertrauen in die saudische Herrscherfamilie, dass er nicht einmal Akten über dieses Land führte, wie vor kurzem ein Sprecher des CIA bestätigte. Dies erklärt auch, warum die amerikanischen Sicherheitsdienste am 11. September völlig überrumpelt wurden. Doch nun ändert sich dies. Die Amerikaner schwenkten von blindem Vertrauen in das saudische Regime in offene Verdächtigungen um. Die USA fürchtet die Instabilität des Regimes und weiß, dass es früher oder später gestürzt werden wird. Wenn aber dieser wichtige Bündnispartner wegfallen würde, wäre dies ein schwerer Schlag für die USA, weil in diesem Land die größten bewiesenen Erdölvorkommen liegen.
Die herrschende Klasse der USA ist sich dieses Szenarios bewusst und bereitet sich auch darauf vor. Die Präsenz von US-amerikanischen Truppen auf arabischem Boden ist nichts anderes als eine Politik der zweifachen Absicherung. In dem Moment, wo das Herrscherhaus über Bord geworfen würde, wird die USA versuchen das Land zu okkupieren. Natürlich nicht das gesamte Land, was eine unmögliche Aufgabe wäre, sondern vor allem die Ölfelder, die vor allem an der Küste angesiedelt sind. Dieser Küstenstreifen würde dann vom restlichen Land abgetrennt werden.
Und hier kommt auch der Irak in das Spiel. Im Irak liegen die zweitgrößten Erdölreserven. Diese zu besitzen, gewinnt für die USA immer mehr an Bedeutung, da eben Saudi-Arabien zu wackeln beginnt. Vor allem wäre eine Invasion von Saudi-Arabien nur über den Irak möglich, daher hat dieses Land eine so große strategische Bedeutung. Und daher drängen die USA so auf eine Invasion des Iraks!
Die Ticks des Herrn Blix
Die Entdeckung von einigen leeren Sprengköpfen allein wird den UN-Sicherheitsrat sicher nicht von der Notwendigkeit einer Intervention im Irak überzeugen. Ebenso wird dies nicht durch die angeblich entdeckten Lücken im Bericht des Iraks möglich sein. Blix erwartet, dass der Sicherheitsrat einen weiteren Bericht bis Februar von ihm erwarten wird. Bis dahin ist dann genügend Zeit, um einen Beweis für die Bösartigkeit des Iraks zu finden.
In ihrem unermüdlichen Suchen nach Gründen für einen Krieg, stoßen die USA auf immer größere Hindernisse. Die benachbarten Regime fürchten sich zusehends vor den Auswirkungen einer US-Intervention. In der gesamten Region herrscht unter der Bevölkerung eine antiamerikanische Stimmung vor. Saddam Hussein hat bereits Diplomaten entsandt, um mit verschiedenen arabischen Führern in Kontakt zu treten, so zum Beispiel auch dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Syrien nahm 1991 am Golfkrieg auf Seiten der internationalen Allianz teil, heute ist es gegen einen Krieg im Irak. Aber all diese Regime werden dem Irak nicht helfen können. Die echte Gefahr für die USA geht nicht von diesen Führern sondern von den arabischen Massen aus.
Eine kürzlich durchgeführte Untersuchung zeigte, dass in Ägypten nur 6 Prozent der Bevölkerung pro-amerikanisch eingestellt sind, 69 Prozent dagegen sind klar gegen die USA. In Jordanien sind nur 25 Prozent pro-amerikanisch. Beide Regime hängen an einem seidenen Faden, eine Invasion des Iraks würde eine Welle von Protesten in dieser Region auslösen. Attentate auf westliche Einrichtungen werden diese Region in eine Spirale der Gewalt ziehen. Erst vor kurzem wurden amerikanische Zivilisten im Jemen ermordet. Ein kleiner Vorgeschmack zukünftiger Ereignisse. Weit entfernt davon, einen „Krieg gegen den Terror“ zu führen, betreibt die USA schlicht und einfach Staatsterrorismus. Dies wird in dieser Region einen derartigen Zorn erzeugen, dass die Bevölkerung zusehends terroristischen Organisationen in die Hände getrieben wird.
Aber die Probleme von Washington sind nicht nur allein auf den Nahen Osten beschränkt. Europa hat immer mehr Vorbehalte gegenüber seinen amerikanischen „Verbündeten“. Der wahre Grund warum Blix auf ein Fortsetzen der Inspektionen drängt, ist der Druck einiger Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, die über einen Krieg zutiefst unglücklich sind - allen voran Frankreich. Der französische Präsident Jacques Chirac forderte am 17.Jänner eine Fortsetzung der Inspektionen und stellte weiters fest, dass unilaterale Aktionen dem internationalen Recht widersprechen würden. Frankreich hat eigene, entgegengesetzte Interessen in dieser Region und speziell im Irak. Vor allem mit Lybien und dem Irak wurden lukrative Ölförderverträge abgeschlossen.
Aber die Geduld von George Bush wird immer geringer. „Die Zeit läuft ab für Saddam“, sagte er kürzlich. „Ich werde weitere Verzögerungen und Spielchen nicht dulden.“ Dies war nicht nur an Saddam adressiert, sondern vor allem auch an Paris. Zwischen den Zeilen heißt das folgendermaßen: „Wenn Ihr gegen eine Invasion des Iraks seid, werden wir ihn eben alleine okkupieren und dann dafür sorgen, dass alle Eure Verträge null und nichtig sind. Wenn Ihr uns allerdings unterstützt, werdet auch Ihr einige Brotkrümel vom Festmahl abbekommen.“ Aus diesem Grund hat Frankreich nun doch Unterstützung für die amerikanischen Freunde zugesichert und sogar die Bereitstellung von Truppen nicht ausgeschlossen.
Auch Russland hat seinen Außenminister nach Bagdad entsandt, um Verhandlungen über die Entwaffnung des Iraks zu führen (auf deutsch: die Kapitulation des Iraks). Dies ist eine exakte Kopie der Diplomatie von Michael Gorbatschow im Golfkrieg von 1991, der den Irak ebenso im Regen stehen ließ. Die Geschichte wiederholt sich hier. Russland hat wichtige Verträge mit dem Irak über Öllieferungen (wobei die Maschinen dieser Ölfelder vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion kommen), die riesige Geldbeträge umfassen. Auch Russland wurde von den USA versprochen, dass sie ihr Geld zurückbekommen werden. Ob diese Versprechen haltbar sind, ist wieder eine andere Frage.
Der Truppenaufmarsch
Während auf diplomatischer Ebene weiter verhandelt wird, ziehen die USA und Großbritannien unaufhörlich Truppen im Golf zusammen. Die diplomatischen Spielchen der UNO sind nur zweitrangig. Die USA entsandten erstmals eine ganze Division - 11.000 Soldaten. In Katar wurde ein Kommandozentrum eingerichtet. Großbritannien hat die Entsendung von 64.000 Soldaten zugesichert - ein Viertel der gesamten britischen Armee! Das Ziel ist insgesamt 100.000 Soldaten für den Kriegseinsatz zu mobilisieren und rund die doppelte Anzahl als Reserve. Diese Truppen wurden nicht aus reinem Spaß an der Sache mobilisiert, sondern dazu um früher oder später eingesetzt zu werden.
Es ist natürlich möglich, dass sich die USA den Einsatz im Irak noch von der UNO absegnen lassen. Zusätzlich haben sie bereits jetzt Schritte unternommen, um Russland und Frankreich zu „überzeugen“, entweder für einen Einsatz zu stimmen oder zumindest kein Veto einzulegen. Wenn sie allerdings kein UN-Mandat erhalten, werden die USA dennoch weitere Kriegsvorbereitungen treffen. Dies werden sie damit argumentieren, dass ein Einsatz schon in der ersten UN-Resolution beschlossen wurde.
Die Frage ist folgende: Wie kann Saddam Hussein den USA stichhaltig beweisen, dass er keine Massenvernichtungswaffen besitzt? Die einfache Antwort: Er kann es nicht. Im „Best-Case“-Szenario können die Inspektoren feststellen, dass die Schuld von Saddam Hussein „nicht bewiesen“ ist. The Economist stellte dazu treffend fest: „Wenn Amerika auf dieser Grundlage im Irak interveniert, würde dies sicher Unsicherheit auslösen. Aber zugleich würde die Logik des Krieges überhand gewinnen. Auch ohne ein UN-Mandat würden Großbritannien (ganz sicher) und Frankreich (vielleicht) die USA unterstützen.“
Unabhängig vom Zögern und Zaudern in London und Washington und dem stillen Protest von Blix sind wir davon überzeugt, dass die USA auf einen Krieg im Irak brennen, mit oder ohne UN-Resolution. All die Diskussionen über UN-Resolutionen und Waffeninspektionen sind in Wahrheit eine lächerliche Farce. Wenn die Amerikaner keinen Beweis für eine Intervention finden können, dann werden sie ihn eben erfinden. Es wird bestimmt in nächster Zeit die eine oder andere Provokation geben. So bombardieren die Briten und Amerikaner zum Beispiel ständig irakische Stellungen in der sogenannten Flugverbotszone. Wenn es hier zu einer Selbstverteidigung des Iraks kommen würde, wäre dies der ideale Zeitpunkt für den Kriegsbeginn.
Jene Leute die glauben, dass die UNO den Krieg noch verhindern könnte, liegen einer Illusion auf. Aufrufe an die UNO verdecken jene Diskussionen, die von wahrer Relevanz sind. Der Krieg kann jederzeit ausbrechen, und früher als die meisten von uns erwarten. Die wirkliche Aufgabe ist es, eine starke Antikriegsbewegung aufzubauen. Hier darf keine Zeit verloren werden.
von Alan Woods, 21.01.2002
See also the original: "Delenda est Carthago" - US imperialism hell bent on war with Iraq